BRIEF VON ALBANO-DANTE FACHIN AN JORDI TURULL

„Solange uns die Mauer des Autoritarismus und der Schamlosigkeit trennt, bin ich auf deiner Seite“

Brief von Albano-Dante Fachin an Jordi Turull, der seit dem 23. März im Gefängnis in Estremera ist. ‚Briefe für die Freiheit‘ ist ein Raum auf VilaWeb, in dem die Solidarität mit den politischen Gefangenen und mit denen, die sich im Exil befinden, Ausdruck findet, und der gleichzeitig ein Porträt von diesen Menschen zeichnet.

Lieber Jordi Turull

Erlaube mir zunächst, dich zu duzen. Die Leute von VilaWeb haben mich dazu eingeladen an dieser Initiative teilzunehmen und an einen der politischen Häftlinge zu schreiben, und hier bin ich nun nun am Schreiben. Wir haben zwar zwei Jahre als Abgeordnete miteinander verbracht, aber es hat sich zwischen dir und mir nie eine sehr enge Beziehung entwickelt. Wir hatten nicht wirklich Zeit, um uns zu verbrüdern, obwohl wir beide oft zum Raucherhof gingen und dort aufeinandertrafen. Denn eigentlich kommen du und ich aus ganz unterschiedlichen Positionen, auch wenn wir oft zusammmen auf demselben Hof am Park der Ciutadella standen. Ich war einer derjenigen gewesen, die das Parlament umstellt hatten, du dagegen hattest unsere Demo sehr hart kritisert. Ich wollte die Machenschaften von Xavier Crespo aufdecken, du wolltest, dass niemand sie sieht.

Während der zweijährigen Legislaturperiode wurde unser politisches Zusammenleben dann auch nicht wirklich besser. Du stelltest dich auf die Seite der Verschwörungsanhänger, die mich als Kollaborateur von Daniel de Alfonso darstellten, und uns nachsagten wir würden das Gesundheitswesen zerstören wollen. Jedes Mal, wenn du das vom Sprecherpult des Sitzungssaals sagtest, wand ich in mich in meinem Sessel und rief : „Wenn du willst, sprechen wir zwei Stunden lang darüber, vor laufenden Kameras und mit Unterlagen in der Hand, und ich werde dir zeigen wer das Gesundheitswesen wirklich zerstört hat.“ Aber du bist nie darauf eingegangen.

Wir kamen aus sehr unterschiedlichen Welten, und ich könnte weitere Beispiele dafür nennen. Aber mir wurde gesagt, dass dieser Brief nur 2000 Zeichen lang sein soll, und davon habe ich schon 1400 verbraucht. Drei Viertel, um zu erklären wie weit wir voneinander entfernt sind? Wie tief der Graben ist, der uns trennt? Ist er nicht zu tief? Nein, ich glaube nicht. Im Gegenteil: es drängt mich klarzulegen (und dir auch zu sagen), dass mir deine Haft, ungeachtet dessen, was uns trennt, weh tut und mich wütend macht. Ich muss klarlegen (und dir sagen), dass uns die Ungerechtigkeit, die du erleidest, vor einen Spiegel stellt und uns dazu zwingt, uns trotz der Differenzen zu erkennen. Ich muss klarlegen (und dir sagen), dass ich auf deiner Seite bin, solange uns die Mauer des Autoritarismus, der Verfolgung und der Schamlosigkeit des Staates trennt. Und so wird es bis zu dem Tag deiner Freilassung bleiben. An jenem Tag werde ich im Fernsehen sehen wie du deine Familie wiedersiehst, und ich werde vor Freude mit euch weinen. Wenn es sich dann mal ergibt und wir uns treffen, können wir über all die anderen Dinge sprechen. Bis dahin tue ich das, was in meinen Händen liegt, damit dieses Unrecht, das du erleidest, aufhört, und zwar je eher desto besser.

Ich umarme dich sehr, sehr, sehr fest, Jordi, und wünsche dir viel Kraft.

PS: Und wenn wir schon dabei sind uns schöne Momente auszumalen, möchte ich mir vorstellen, im Sinne deiner Gesundheit und auch meiner eigenen, dass wir dann nicht mehr in den Raucherhof gehen, wenn wir uns wiedersehen und über all das sprechen, was wir noch zu besprechen haben.

 

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