REDE DER ZEREMONIE DER REGIERUNGSÜBERNAHME

Antrittsrede des katalanischen Präsidenten Quim Torra anlässlich der zeremoniellen Amtsübernahme seiner Regierung.

3. Juni 2018, Palau de la Generalitat. Barcelona (Katalonien)

Sehr geehrte Autoritäten, liebe Freunde, liebe Familienmitglieder von Präsident Carles Puigdemont, Vizepräsident Oriol Junqueras, Präsidentin Carmen Forcadell, Minister Jordi Turull, Minister Raül Romeva, Minister Joaquim Forn, Ministerin Clara Ponsatí, Minister Toni Comín, Minister Josep Rull, Minister Lluís Puig, Ministerin Dolors Bassa, Ministerin Meritxell Serret, ERC Abgeordnete und Generalsekretärin Marta Rovira, CUP Abgeordnete Anna Gabriel, Junts per Catalunya Abgeordneter Jordi Sánchez Òmnium Präsident Jordi Cuixart.

Diese Regierung, die gerade ihr Amt angetreten hat, ist der Arbeit, der Aufopferung und der Treue zu ihren Verpflichtungen unserer lieben Gefährten verpflichtet. Im Gefängnis oder im Exil ist ihr Beispiel unsere Stärke. Der von ihnen zurückgelegte Weg, ist unserer Ansporn. Und ihre Freiheit und ihre Rückkehr nach Hause ist unser wichtigstes Ziel. Sie haben gesehen, dass ich sie alle mit dem Amt erwähnt habe, das sie ausübten, als sie durch einen Staatsstreich gegen die Demokratie und die katalanischen Institutionen vertrieben und strafrechtlich verfolgt wurden. Unser Engagement ist auch ihre Wiederherstellung.

Unser Wille ist die Ausübung der übernommenen Verantwortung mit Loyalität zu ihrer Arbeit und ihrer ethischen und politischen Führung.

Ihr, Verwandte und Freunde, zahlt mehr als jeder andere den Preis für die Unterdrückung eines Staates, der sich als intolerant gegenüber Demokratie, Bürgerrechten und politischen Freiheiten erwiesen hat. Fern von zu Hause, fern von Euch, fern von euren Söhnen und Töchtern, sind die Gefangenen und Exilierten ein Leuchtturm dieser Regierung und einer Mehrheit der Bevölkerung von Katalonien. Aber sie sind auch ein Beispiel, das die Augen ganz Europas öffnet.

Die Regierung geht von der Verpflichtung aus, im Einklang mit dem Mandat des Referendums über die Selbstbestimmung am 1. Oktober, d.h. einen unabhängigen Staat in Form einer Republik, voran zu treiben. Ein Mandat, das bei den Wahlen vom 21. Dezember erneut bestätigt wurde. Es wird kein einfacher Weg sein. Es gibt sehr mächtige Interessen, die es verhindern wollen. Wir haben es bereits gesehen und wir haben viele Beispiele und Zeugnisse.

Aus diesem Grund möchte ich für den Mut und die Entschlossenheit danken, mit der der Vizepräsident und die Minister diese Aufgabe angenommen haben. Diese Verantwortung liegt bei uns und nur bei uns. Vielen Dank.

Wir haben das Glück, die Menschen in Katalonien zu repräsentieren, die sich als reifes Volk erwiesen haben, die auf friedliche, ruhige und demokratische Weise über ihre Zukunft entscheiden wollen; ohne jemals das Lächeln und das gute Benehmen zu verlieren.

Gestern, vor acht Monaten, erlebten wir den hartnäckigen – und auch schmerzhaften – Widerstand in den Wahllokalen zum Schutz der Wahlurnen am ersten Oktober. Es war ein Akt von zivilem Engagement und Großzügigkeit, der uns mit Stolz erfüllt. Wir müssen dieses Volkes würdig sein; des gesamten Volkes in Katalonien. Wir werden eine Regierung für alle sein. Wir sind eine Regierung für alle.

Wir haben ein republikanisches Mandat.

Und wir haben auch ein Mandat, mit Entschlossenheit und allen möglichen Anstrengungen einer Bürgerschaft zu dienen, den siebeneinhalb Millionen Katalanen, die mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Wohlfahrt, eine effektivere Umverteilung des Reichtums und einen öffentlichen Dienst höchster Qualität verdienen. Die Schaffung von Chancen für alle, der Schutz und die Unterstützung der Schwächsten, die Bekämpfung der Missbräuche durch die Mächtigsten und letztlich ein ehrgeiziges Programm für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt und auf der Höhe des Augenblicks, das alles sind Verpflichtungen der Regierung, dass ich das Privileg habe, zu präsidieren.

Das sind Verpflichtungen, die auch eine klare Dialogbereitschaft erfordern. Ein unverzichtbarer Dialog zur Lösung von Konflikten in der Art, wie die zivilisierte Welt sie löst. Ich habe es bei jeder öffentlichen Erklärung wiederholt, die ich seit der Amtseinsetzung gemacht habe, und heute tue ich es mit mehr Nachdruck als je zuvor.

Präsident Pedro Sánchez, lassen Sie uns reden, lassen Sie uns miteinander sprechen, lassen Sie uns Risiken eingehen, sowohl Sie als auch wir. Setzen wir uns an einen Tisch und verhandeln wir von Regierung zu Regierung. Diese Situation, in der wir leben, kann keinen weiteren Tag verlängert werden.

Eine der ersten Entscheidungen, die diese Regierung treffen wird, ist die Schaffung eines Plans zur Wiederherstellung von Gesetzen und Maßnahmen sozialer Art, die auf Antrag der spanischen Regierung vom Verfassungsgericht ausgesetzt wurden.

Wir müssen die Republik zu einem Beispiel für die Gewährleistung von Rechten für alle machen, ohne Ausnahmen. Wir müssen sie vorantreiben, indem wir sie als ein Werkzeug der Transformation gestalten und entwerfen. Der wahre Motor des republikanischen Wandels sollten soziale Rechte und das Wohlergehen der Bürger sein. Dies ist ein vorrangiges Ziel der Regierung, die zu laufen begonnen hat.

Heute endet der Artikel 155. Ohne Euphorie, denn wir sind sehr weit entfernt von dem Ort, an dem wir gerne wären. Wir werden den Aktionsplan umsetzen, um die getroffenen Entscheidungen und Hindernisse, die in dieser Phase der demokratischen Aussetzung in Katalonien entstanden sind, umzukehren. Ich nutze diese Gelegenheit, um der selbstlosen und ständigen Arbeit der Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes der Generalitat zu danken, um den Bürgern unseres Landes einen guten Dienst zu leisten.

Ich möchte diese Worte nicht beenden, ohne auch alle Menschen anzusprechen, die vor und nach dem historischen Tag des Referendums die Folgen der politischen Verfolgung erlitten haben. Lehrer, Bürgermeister, Gemeinderäte, Mechaniker, Musiker, Künstler, Beamte, Mossos (katalanische Polizei), Feuerwehr, Mitglieder von zivilen Vereinen und Organisationen…

Vielen Dank. Vielen Dank für eure Großzügigkeit, für Euer Engagement und für euren Mut.

Verteidigt eure Freiheit immer von Grund auf. Denn die katalanische Regierung steht euch dabei jederzeit zur Seite.

Lasst uns nach vorne gucken, um diese bessere Zukunft für alle zu konstruieren. Die Republik wird ein Zuhause für alle sein und wo sich alle zu Hause fühlen kann. Wir müssen standfest, heiter und lächelnd voranschreiten.

Montserrat Abelló, deren 100. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, sagte in einem ihrer Gedichte:

«Heute bin ich stolz auf meine Zeit und es tut weh, sie zu verschwenden.»

Freunde, lasst uns alle stolz auf unsere Zeit sein und sie nicht verschwenden. Wir haben ein demokratisches und republikanisches Mandat, das wir erfüllen müssen. Vizepräsident, Minister, machen wir uns an die Arbeit.

Vielen Dank.

¡Es lebe das freie Katalonien!

 
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