UNABHÄNGIGKEIT KATALONIENS: DAS IST LÄNGST NOCH NICHT ALLES UND ES WIRD EIN „HEISSER HERBST“

Heute habe ich, zufällig aber zu meiner grosse Freude, an der Vorstellung des neuen Buches von Vicent Partal teilgenommen.

Es heißt „Neue Hommage an Katalonien“.

Und so war ich also dabei, auf einer Veranstalung, die eigentlich eine Buchvorstellung sein sollte, organsiert von der Nationalen Versammlung Manlleu.  Aber Vincent zeigte gar keine Interesse an seinem Buch sondern erklärte uns, was eigentlich passiert ist mit der Unabhängigkeit, und wie es voraussichtlich damit weitergeht. Hochinteressant für jemanden wie mich, die sich von dem Thema weitgehend verabschiedet hatte.

Unabhängigkeit Kataloniens: Das ist längst noch nicht alles und es wird ein "heisser Herbst"

Gleich zu Beginn hat Vicent Partal angekündigt, dass es einen „heißen“ Herbst und Winter geben wird, da die Gerichstverfahren gegen die inhaftierten Politiker stattfinden werden. Wenn vier europäische Staaten gesagt haben, dass sie keine strafbaren Handlungen erkennen können, muss beobachtet werden, wie sich der spanische Staat verhält; und wenn jahrzehntelange Strafen gefordert weden, wird es Aufruhr geben darüber, wie das zusammenpasst, und ob Beschwerden in Europa erhoben werden. Partal spricht von einem bewegten 11. September mit Straßenblockaden, Demonstrationen… Vielleicht sogar vorgezogene Wahlen in Katalonien?

Es scheint, dass sich nach der Verunsicherung und dem Ende des Aufruhrs wieder alle erneut mobilisieren werden.

Vicent sagt, dass die Strategie nocht nicht sehr klar scheint, aber dass wieder Bewegung in die Sache kommen wird, und dazu sagte er, dass „der Druck der Bevölkerung ein grundlegendes Element ist“, weil die Parteien, die jetzt in Katalonien an der Macht sind, von den autonom-orientierten Sektoren geleitet werden, weil diese Parteien zerstritten sind und in einer „bedauerlichen“ Situation.

Trotz dieses Panoramas, sagt Partal, „gibt es Bedingungen für die erneute Proklamation der Unabhängigkeit, wenn auch nicht so gute wie am 1-O. Aber es könnte ein von Europa bestimmtes Abkommen geben, dass Spanien dazu verpflichtet unser Recht auf Selbstbestimmung anzuerkennen“.

Auf diesem Recht, sagte er, werden die Menschen bestehen,

denn bis zum 1.Oktober gab es Mitbürger, die sich mit einem autonomen Statut zufriedengaben, aber „der 1.Oktober hat nicht mehr nur eine politische, sondern auch eine emotionelle Abspaltung verursacht, und ein Teil der Bevölkerung in Katalonien akzeptiert eine Föderation nicht mehr, sondern nur noch die Unabhängigkeit“. In diesem Winter, sagt Partal, „werden wir die zweite große Chance haben, sie zu erreichen“. Aber nur, wenn „neue Situationen im Stil des 1.Oktober geschaffen werden, in denen die europäischen Staaten sagen würden, dass dies gelöst werden muss.“

Ich sah Vicent sprechen und er war das lebende Bild des „WIR MACHEN WEITER!“, von einem, der die gute Nachricht der energischen Aufladung zu einer müden Versammlung trägt. Auf die Frage, warum die Unabhängigkeit in ihrem Moment nicht verkündetet wurde, erklärte Partal:

„Es war alles vorbereitet und wer euch das Gegenteil gesagt hat, lügt. Aber am 20. September gab es einen Staatsstreich, als die Polizisten kamen und den Regierungssitz besetzten. In dem Moment haben sich zwei Gruppen innerhalb der Regierung gebildet, die aber nicht entlang parteilicher Linien, sondern die innerhalb der Parteien verschiedene Ideen verfolgten: Eine Gruppe, in der vor allem Marta Rovira und Puigdemont sagen, dass man weitermachen soll; die andere Gruppe, um Junqueras, Mundó oder Santi Vila, sagt, dass wir nicht genug Kraft haben, um das durchzustehen, dass die Folgen für das Land schrecklich sein können. Am 1.Oktober erwägen sie, das Referendum zu stoppen, aber die Leute sagen Nein. Und nach dem 1.Oktober stecken sie in einem Schockzustand, gefangen zwischen den Menschen, die sich heroisch verhalten haben, und der rohen Brutalität des Staates, die kein Limit haben wird, weil er zu allem bereit war. Dann sagt Clara Ponsatí, dass die Unabhängigkeit verkünden werden muss, und sie bleibt allein.“

 

Dann hat man begonnen zu erwägen, ob die Regierung ins Exil geht, um den Konflikt zu internationalisieren,

aber es bleibt noch eine weit entfernte Option. In der Zwischenzeit ist der Druck der Europäischen Union „sehr stark, man sagt Puigdemont, dass Spanien gezwungen würde, zu verhandeln, wenn er es stoppt. Das passierte am 10.Oktober. Und als er es dann stoppt, am 11.Oktober, nehmen sie seine Anrufe nicht mehr entgegen.

Daraufhin beginnt eine Kampagne in Spanien mit Demostrationen der „Unionisten“ und anderer, um den Leute vorzugaukeln, dass wir nichts erreichen können. Glücklicherweise wird in der letzten Minute doch noch die Republik verkündet“. Aber Junqueras und Mundó befolgen den Plan nicht … und wollen nicht ins Exil gehen…

Die Folge ist eine ERC-Partei mit ein paar Versammlungen, wo jetzt „sehr wenige Menschen hingehen“,

sagt Partal, während die Parteiführung inzwischen einen Alleingang ablehnt. Auch in der Partei PdCat, „wollen diejenigen, die das Sagen haben, nicht mehr die Unabhängigkeit und sie verärgern Puigdemont.“ Aber der Journalist hält den ehemaligen Präsidenten nicht für erledigt, sondern ganz im Gegenteil. Es scheint, dass er die Rückkehr mit einer neuen Partei vorbereitet wird, die in ihrer Funktionsweise näher an der CUP sein wird als an den traditionellen Parteien.

Für die Europäische Union hatte Partal sehr harte Worte:

„Wir haben den Fehler gemacht, zu denken, dass die Europäische Union Europa repräsentiert. Wir wissen jetzt, dass es nicht so ist, dass wir in die Staaten wie Finnland, Dänemark, Belgien oder Irland gehen müssen. Die Europäische Union hat sich im Laufe der Jahre pervertiert und ist zu einem antidemokratischen System geworden, in dem Politiker, die niemand gewählt hat, für uns und für unsere Politiker, für die jemand gestimmt hat, entscheiden. Es ist der neue Faschismus. Die Europäische Union ist eine schreckliche Maschine, die verändert werden muss, die nicht auf die öffentliche Meinung reagiert, weil sie nicht von irgend jemandem gewählt wird und daher tun kann, was sie will, weil die Menschen sie nicht rausschmeissen werden. Und dies haben wir nicht erkannt.“

 

Um zum Ende zu kommen, hat Vicent uns eine Skizze gemacht von dem, was eine virtuelle Republik im Aufbau sein könnte, mit der virtuellen Republik Estland als Spiegel. Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt.

Ursprüngliche Quelle (Medium. 15/06/2018)

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